Von Gottes Treue in unserem Unglauben

Nach vielen Abschiedsfeiern, Umarmungen, Abschiedsbriefen und Gebeten, bin ich nun endlich hier: Irland. Ich kann nur staunen welche Wege Gott mich geführt hat um meinen langersehnten Traum endlich Wirklichkeit werden zu lassen. Vor einem Jahr hätte ich niemals gedacht, dass ich heute hier sein werde und manchmal frage ich mich immer noch, ob der Preis für dieses Leben nicht zu hoch war. War der Traum es wirklich wert, alles aufzugeben das ich hatte? Aber gleichzeitig ist da diese Gewissheit, dass ich an dem Ort bin, an dem ich sein soll. Gott hat mir seinen Willen auf verschiedene Weise offenbart und Puzzlestück für Puzzlestück hat alles langsam seinen Sinn ergeben.

Aber jetzt erstmal von Vorne.

Als ich mein Studium abgebrochen habe, habe ich lange nicht gewusst was ich jetzt machen soll. Ich habe viel gebetet und mir die verschiedenen Optionen durch den Kopf gehen lassen. Aber keine davon hat mich so richtig angesprochen. Nach Irland wollte ich anfangs auch nicht unbedingt gehen aus finanziellen Gründen. Ich habe mit meinem dualen Studium genug verdient und war finanziell unabhängig. Nach Irland zu gehen würde für mich bedeuten, dass ich auf viele Dinge verzichten muss.

Aber wie ich schon in meinen vorigen Blogposts erzählt habe, hat Gott es mir immer klarer gemacht, dass mein Platz in Irland ist und ich dahin gehen soll.

Also habe ich gebetet und gesagt: „Gott, ich glaube, dass du mich bis hierher geführt hast. Ich habe dir gehorcht und jetzt kannst du dich auch um das Finanzielle kümmern. Ich brauche nicht viel, aber ich möchte nicht abhängig sein von meiner Familie und ich möchte nie jemanden um Geld fragen müssen. Ich möchte so viel haben, dass ich mir alles Nötige selber kaufen und mir ab und zu einen Kaffee mit Freunden leisten kann.“

Und Gott hat mein Gebet erhört. Ich hatte bis jetzt immer genug Geld im Geldbeutel. Natürlich lebe ich jetzt nicht im Überfluss aber in den vergangenen Monaten, ist mir das Geld nie ausgegangen. Ich habe immer genausoviel im Geldbeutel, wie ich gerade brauche. Meine Flugtickets habe ich mir alle selber gekauft und auch sonst musste ich nie jemanden um Geld fragen.

Bevor ich letzten Monat von Irland nach Hause geflogen bin, haben mir die Mädels mit denen ich wohne, Briefumschläge zugesteckt. In dem einen war ein Hundert-Dollar-Schein drin mit den Worten: „Der HERR hat mir aufs Herz gelegt, dir das zu geben. Danke nicht mir, sondern Ihm.“

Ich habe Ihm natürlich auch gedankt und gleichzeitig habe ich beschlossen, ein Experiment durchzuführen.

Bevor ich nach Irland geflogen bin, haben meine Geschwister, ein Freund aus der Gemeinde und ich montagabends öfters ältere Leute aus unserer Gemeinde besucht. Wir haben mit ihnen meistens ein paar Lieder gesungen und ein kurzes Wort aus der Bibel gelesen. Danach haben wir die Person immer gebeten uns einen Rat für unser Leben mitzugeben und eine ältere Frau hat uns unter anderem Folgendes mit auf den Weg gegeben:

„Tut alle Dinge wie für Gott und nicht für den Menschen. Dann wird alles einfacher. Geben wird einfacher und materieller Verlust wird nicht so schwer zu ertragen sein. Wenn man seinem Nächsten etwas gibt (z.B. Geld leiht), dann sollte man es mit dem Gedanken tun, dass man es nicht einer Person gibt, sondern Jesus. Und Gott bleibt einem nie etwas schuldig. Diese Sache wird immer zu uns zurück kommen, vielleicht nicht direkt durch den Menschen, aber Gott hat viele Möglichkeiten.“

Also habe ich beschlossen, den Hundert-Dollar-Schein zu spenden. Ich war mir bewusst, dass ich im Moment absolut keine Einnahmen habe und das Geld mir wahrscheinlich von großem Nutzen sein könnte, aber ich wollte einfach mal testen, ob das wirklich so ist. Und mir würde die Zeit nicht ausreichen, alle Wege aufzuzählen auf denen das Geld zu mir zurück gekommen ist.

Zum Beispiel wären da die Flüge. Bis jetzt musste ich immer nach Frankfurt fahren, um mit AerLingus dann nach Dublin fliegen zu können. AerLingus bietet nämlich nur Flüge ab Stuttgart im Sommer an und die sind dann meistens auch nicht so günstig. Eine andere Möglichkeit wäre, nach Memmingen zu fahren und von dort dann mit Ryanair zu fliegen, aber auch das ist nicht ganz so optimal, weil Memmingen immerhin anderthalb Stunden entfernt ist und mich bis jetzt deswegen immer jemand fahren musste.

Aber ab diesem Frühling, bietet Ryanair Flüge ab Stuttgart nach Dublin an. Für 20€! Ich war total geschockt, als ich das entdeckt habe. Jetzt muss ich nicht mehr Unmengen an Geld für Züge ausgeben und bin auch nicht mehr so ewig lang unterwegs.

Außerdem hat mein Bruder mir einen guten Tipp gegeben. Man sollte immer so spät wie möglich online einchecken, dann kriegt man die besten Plätze. Also habe ich das jetzt so gemacht et voilá: Ich hatte einen Emergency Exit Platz, konnte meine Beine schön ausstrecken und hatte die ganze Reihe für mich. Es hat sich angefühlt, als ob Gott mich wie eine Prinzessin behandelt, weil ich seinem Ruf in das Ungewisse gefolgt bin.

Ich habe mich gleichzeitig ein bisschen geschämt, dass ich Ihm nicht vertraut habe und versucht habe, mein Leben auf eigene Faust zu regeln und in Ordnung zu bringen.

Die Wahrheit ist: Gott ist treu, auch wenn wir untreu sind. Er bleibt uns treu, weil Er sich selbst nicht verleugnen kann (aus Timotheus 2,13).

Die Kraft des Abendmahls

Der Feind versucht einem immer alles zu vermiesen. Er flüstert uns Lügen in unser Ohr und fast wäre ich ein Opfer seiner Anschläge geworden. Über Wochen hinweg ist mein Bibellesen und Beten weniger geworden, weil ich auf einmal so entmutigt war. Das hat doch sowieso alles gar keinen Sinn… Ich versuche so stark alles richtig zu machen, aber im Endeffekt lebe ich doch nicht besser, als die Menschen, die nicht glauben.

Meine Lust zum Wort ist vergangen und da war immer diese Stimme, die gesagt hat: „Das schaffst du sowieso nicht. An Gründonnerstag habt ihr Abendmahl in der Gemeinde und du willst wirklich daran teilnehmen? Du hast schon seit Tagen nicht mehr die Bibel gelesen und sei mal ehrlich, hat dir das Beten die Schmerzen genommen? Nein, du betest und Gott hört dich sowieso nicht. Meinst du wirklich, Er liebt dich, so wie du dich benimmst? Du bist doch nichtmal dankbar für dein Leben. Schau mal die anderen an. Sie beten nicht, sie glauben nicht an Gott und haben schon viel mehr erreicht als du. Du tust so viel für Gott und Er hat dir einfach deine Träume kaputt gemacht. Du bist schuld! Du warst nicht genug, du wirst nie genug sein! Es hat keinen Sinn, geb einfach auf…“

So ähnlich ging es über Tage hinweg. Ich fand keine Ruhe. Zum allerersten Mal seit sechs Jahren habe ich wirklich an meinem Glauben gezweifelt und an Gottes Liebe zu mir. Zum allerersten Mal wollte ich nicht am Abendmahl teilnehmen, weil ich einfach keinen Frieden hatte. Keinen Frieden mit Gott und auch nicht mit den Menschen um mich herum. Ich wollte wirklich aufgeben. Ich wollte nicht mehr in den Gottesdienst gehen. Aber Gottes Gnade gab mir die Kraft trotzdem hinzugehen. Und als ich an Gründonnerstag im Gottesdienst saß, flossen mir ununterbrochen die Tränen.

Der Prediger sprach die Worte: „Wir werden nie genug sein, unsere Liebe ist immer zu schwach und unser Glaube zu klein, aber Gottes Gnade ist groß genug. Wir müssen aufhören auf uns zu schauen und anfangen auf Ihn zu hoffen. Gibt es etwas größeres als die Rettung? Nein! Rettung ist alles was wir brauchen. Gott hat uns die Rettung geschenkt und wir brauchen nichts Anderes auf der Welt.“

Lass dir an meiner Gnade genügen! 2. Korinther 12,9

Fast wäre ich dem Feind in die Falle getappt, aber Gott war mir gnädig und an dem Abend konnte ich wider meiner eigenen Erwartungen nochmal Frieden schließen mit Gott, den Menschen um mich herum und meiner Situation. Ich konnte trotzdem an dem Abendmahl teilnehmen und auf einmal, waren die Anschläge verschwunden. Ich war erschöpft, so, als hätte ich gerade einen schweren Kampf gewonnen. Aber die Stimme war weg. Das Abendmahl hat dem Teufel die Kraft genommen mich weiter zu attackieren.

…dass, wenn sie gleich wider dich streiten, sie dennoch nicht sollen, wider dich siegen; denn ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dich errette. Jeremia, 1, 19

Ich muss die ganze Zeit an etwas denken, das ich vor Kurzem gelesen habe. Nämlich, dass der Teufel immer versucht etwas Wunderbares zu zerstören und man merkt, dass man auf dem richtigen Weg ist, wenn man auf einmal solche Widerstände verspürt. Gerade dann sollte man weitermachen und der HERR wird reichlich Segen schenken.

Diese Situation hat mir deshalb nochmal die Gewissheit geschenkt, dass ich hier in Irland richtig bin und der HERR mich segnen möchte.

Heute ist mein erster Tag von vielen hier in Irland und ich wäre sehr dankbar, wenn ihr mich mit euren Geben unterstützen könntet. Gottes Arbeitsfeld ist groß und ich bin dankbar, dass ich ein Teil davon sein darf.

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