Gottes offene Tür

Letztes Jahr im November habe ich mein Studium geschmissen, weil ich gedacht habe, Gottes Willen für meine Zukunft erkannt zu haben. Ehrlich gesagt, bin ich nie gerne zur Hochschule gegangen. Jeden Tag saß ich in der Vorlesung und habe mich gefragt, was ich eigentlich hier mache. Ich habe mich so fehl am Platz gefühlt.

Morgens früh aufzustehen war für mich eine Last. Der Stoff war einfach so extrem langweilig (Steuer und Wirtschaftsrecht!). Es war Nichts was mich auch nur im Mindesten interessiert hätte. Wieso ich das Studium überhaupt angefangen habe? Ich habe zuvor die Ausbildung im Finanzamt gemacht und habe mir gedacht, dass ich auch das Studium durchziehen könnte. Aber mit jedem Tag wurde es schlimmer und schlimmer.

Wie um alles in der Welt bin ich nur hier gelandet? Habe ich mich immer gefragt…

Also war ich schon ziemlich erleichtert als ich das Studium abbrechen konnte. Ich dachte ich hätte nachvollziehbare Gründe dafür. Ich dachte meine Pläne für danach wären dies alles wert.

Aber trotzdem habe ich mich wie ein Looser gefühlt. Nachdem die anfängliche Aufregung und Abenteuerlust verflogen war, habe ich mich miserabel gefühlt. War es wirklich die richtige Entscheidung? In der Familie bin ich die Einzige die einfach keine Ahnung von ihrem Leben hat. Ich bin schon 21. Ich sollte mein Leben eigentlich im Griff haben und wissen wie die Zukunft aussieht.

Je länger ich darüber nachdachte, desto unsicherer wurde ich. Wie sollte es jetzt bloß weiter gehen? Ich habe ein duales Studium gemacht und war finanziell unabhängig. Jetzt habe ich gar nichts mehr. Kein Studium, kein Geld. Meine Zukunft ist ungewiss. In den Augen vieler Menschen, meiner inklusive, habe ich versagt.

 

Die Pläne die ich für mich selber gemacht habe, der ursprüngliche Grund wieso ich mein Studium abgebrochen habe, sind im Endeffekt kaputt gegangen. Jetzt, hatte ich absolut gar nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnte.

Bin ich etwas wert? Ich habe keine Talente, usw. Immer mehr Selbstzweifel die an mir nagten.

Nachts kann ich nicht mehr schlafen. Ich liege die ganze Nacht in meinem Bett und wälze mich von einer Seite auf die andere, bis die Sonne aufgeht und ich endlich wieder aufstehen kann.

Egal wo ich hingehe, ich fühle mich nirgendwo dazugehörig. Fehl am Platz. Ich will etwas, dass mir Spaß macht. Etwas, wofür es sich lohnt morgens aufzustehen.

Nach einer Phase des Selbstmitleids, habe ich auf einmal verstanden, dass es hier nicht um mich geht! Es ist Gott! Es ist nicht mein Leben, es ist das Leben das ich Ihm geweiht habe. Er hat die Kontrolle. Er führt mich. Es ist nicht meine Schuld das alles so gekommen ist. Er hat mein Leben in seiner Hand. Ich brauche mich nicht zu fürchten. Er kennt meine Zukunft, Er persönlich schreibt meine Geschichte.

Und ich habe angefangen zu beten, dass Gott mir zeigt, was ich jetzt machen soll.

Ich hatte vier Möglichkeiten:

  1. Ich fange an zu arbeiten
  2. Ich fange ein anderes Studium an
  3. Ich gehe nach Irland und arbeite dort in einer Mission mit
  4. Gott hat etwas komplett anderes mit mir im Sinn

Ich habe Gott um EINE offene Tür gebeten, so dass ich ganz genau weiß, was ich tun soll. Ich will mich endlich dazugehörig fühlen. Ich will endlich ankommen an dem Ort, wo ich die Person sein kann als die Gott mich geschaffen hat.

Vor ein oder zwei Wochen, habe ich einen Blogpost geschrieben, indem ich allen erklärt habe, dass ich mir sicher bin, dass ich ein Studium anfangen sollte. Nun, heute sind es schon ganz anders aus. 🙂

Die erste Option, nämlich zu arbeiten hat sich ziemlich schnell und unkompliziert erledigt. Der Steuerberater der mich zuerst unbedingt einstellen wollte, hat kurzerhand jemand anders gefunden.

Die zweite Option sah erstmal wunderbar aus. Alles schien zu passen. Es wäre ein internationaler Studiengang und ich könnte viel reisen. Etwas, das ich sowieso liebe und mir im vorigen Studium gefehlt hat. Ich habe auch per eMail die Zusage für einen Studienplatz bekommen und habe gewartet bis der Zulassungsbescheid kommt. Aber zwei Wochen vergehen und es ist immer noch kein Zulassungsbescheid im Briefkasten. Also entschließe ich mich nochmal in meinem Bewerbungsportal im Internet nachzuschauen und Tada, es gibt nur einen elektronischen Zulassungsbescheid und die Immatrikulationsfrist habe ich um 2 Tage verpasst. Als der letzte Tag der Frist abgelaufen ist, saß ich gerade in Island fest.

Ärgerlich oder? Ich habe zuerst gelacht und fand das alles ziemlich lächerlich. Kurz darauf habe ich ungläubig nochmal die Termine verglichen um sicherzustellen, dass ich die Immatrikulationsfrist tatsächlich verpasst habe. Wie kann das sein? Sonst bin ich doch auch immer so gründlich und genau und lese mir alles 10000 mal durch um sicherzugehen.

Aber es gab nichts zu machen. Die Frist war verstrichen und es gab keinen Weg zurück. Meine Familie war erstmal ziemlich sauer auf mich. Ich war mir im ersten Moment sicher, dass Gott es so geführt hat und Er etwas anderes für mich vorbereitet hat. Aber auf einmal kamen mir selber Zweifel. War es wirklich meine Schuld? Sollte ich der Hochschule vielleicht eine Email schreiben in der ich alles erkläre und nochmal um eine Chance bitte?

Aber ich beschloss es sein zu lassen. Ich habe keine Lust mehr zu kämpfen. Keine Kraft mehr weiter zu planen. Keine Ausdauer mehr auf etwas Neues zu hoffen. Ich kann nicht mehr! Jedes Mal wenn ich mir neue Pläne mache, dann kommt etwas dazwischen und macht diese Pläne kaputt.

Am Montag hatte ich den schlimmsten Tag seit Langem. Wieso fühlt es sich so an, als ob Gott mich vergessen hätte? Kümmert es Ihn überhaupt wie ich mich gerade fühle?

Eine Freundin hat dann für mich gebetet. Sie hat ihre Hand auf meinen Arm gelegt und für Führung gebetet. „Gott, verstecke dein Angesicht nicht länger. Zeige Du Franzi, dass Du immer noch die Kontrolle hast und dass Du sie liebst. Die Pläne die Du für sie hast, sind so viel besser, als all die Pläne die sie für sich selber machen könnte. Zeige Du ihr, dass Du da bist, auch wenn es sich so anfühlt, als ob Du sie vergessen hast.“

Und dann ist etwas Wunderbares geschehen. Als ich den Schlamassel mit der Immatrikulationsfrist am Samstag entdeckt habe, habe ich meinen Freunden in Irland eine Email geschickt und gefragt, ob sie Bedarf haben an Personal und ich kommen könnte. Am Montagabend ist die Antwort gekommen. Meine Freunde haben mir geschrieben, dass meine Email im perfekten Timing gekommen ist. Erst vor kurzem hat jemand sie plötzlich verlassen und die Person die sie ersetzt hat, muss am Ende des Monats für zwei Wochen weg. Also bräuchten Sie ganz dringend jemanden der davor noch kommen könnte.

Das Krasse an der Geschichte kommt aber noch!

Im Dezember als meine Welt noch heil war, habe ich Tickets nach Amerika gebucht, für den 23. Februar. Aber da meine alten Pläne nicht mehr existieren, habe ich lange überlegt ob ich trotzdem noch nach Amerika fliegen sollte. Ich habe gebetet um zu erfahren was ich tun soll. Und jetzt schreiben meine Freunde, dass sie mich am Ende des Monats brauchen. Ich habe Tickets! Ich habe mir meine Tickets unwissend schon im Dezember gekauft, denn jetzt kommt das Krasse: Ich müsste in Dublin umsteigen!!!! Mein Flug würde von Frankfurt über Dublin nach Boston gehen. Und jetzt könnte ich ganz einfach mein Gepäck nur bis Dublin einchecken lassen und dort nicht in den zweiten Flieger steigen.

Ist das nicht krass? Jetzt habe ich keine Zweifel mehr daran, dass Gott die Kontrolle hat. Ich habe keine Zweifel mehr daran, dass mein Platz in Irland ist. Gott hat mir ganz deutlich gezeigt, wo Er mich haben möchte und ich könnte zufriedener nicht sein. Ich liebe Irland! Ein Leben dort wird ganz sicher nicht einfach aber auf jeden Fall ist es für mich im Moment der Ort wo ich hingehöre.

 

3 Kommentare

  1. Hallo Franzi,
    das ist doch schön, wie Gott führt. Ich freue mich für dich. Ja, das habe ich auch schon oft erlebt, dass ich zuerst gehadert habe und dann erst im Nachhinein erkannt habe, dass es Gottes genialer Plan war, dass etwas „missglückte“, mir „entglitt oder einfach nicht so lief, wie ich das wollte.
    Jaja, Gott führt manchmal komisch, aber immer Richtung Ziel! 😉

    Ein Satz, den du schriebst, hat mich traurig gemacht, den höre oder lese ich immer wieder:
    „Bin ich etwas wert? Ich habe keine Talente, usw. Immer mehr Selbstzweifel die an mir nagten.“
    Oh, ja, du bist was wert! Wie du später selbst erkannt hast. Darum habe ich auch diese Gedicht geschrieben und vertont. Hör doch mal rein, wenn du Lust hast:

    Vermutlich bist du nun seit 5 Tagen schon in Irland. Ich wünsche dir einen guten Aufenthalt und viele gute Erlebnisse mit deinen Freunden, die deine Geschichte JETZT brauchen. Lebe im Dasein! Gott wird dich sicher führen. Denn…

    In diesem Sinn..
    einen lieben Gruss nach Irland
    Stefan

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