Nächster Halt: Island

Der Rückflug nach Deutschland verlief doch nicht ganz so wie geplant. Erstmal hatte der Flieger in Boston Verspätung und später dann, konnten wir aus Sicherheitsgründen nicht losfliegen. Erst drei Stunden später als geplant ging es endlich los. Auf Grund der Verspätung habe ich den Anschlussflug nach Frankfurt nicht mehr gekriegt und jetzt sitze ich hier in Island fest.

Der nächste Flug nach Frankfurt geht erst morgen früh und bis dahin, habe ich ein bisschen Zeit zum Nachdenken und die vergangenen Wochen Revue passieren zu lassen.

Bin ich eigentlich die Einzige, die sich über einen unerwarteten Zwischenstopp freut? 🙂 Alle anderen Passagiere schienen ziemlich aufgebracht zu sein, aber mir macht es überhaupt nichts aus. Ehrlich gesagt, freue ich mich sogar, dass es so gekommen ist. Wann hat man schon die Möglichkeit einen ganzen Tag kostenlos in Island zu verbringen?

Ich habe schon eine kleine Runde draußen gedreht, aber das Hotel ist hier mitten in der Pampa und es fährt auch kein Bus in die Stadt. Draußen ist gerade eine Art Schneesturm oder so. Die Kälte ist jedoch zu ertragen.

Ich hoffe, dass ich heute Nacht Nordlichter sehen kann. Das wäre echt der Hammer.

Gerade beantworte ich 7 Selbstfindungsfragen, die ich im Internet gefunden habe.

Ich habe mich über das Wort „Selbstfindung“ früher immer etwas lustig gemacht und Leute belächelt, die es genutzt haben. Aber auf einmal befinde ich mich selber in dieser Phase und weiß nur zugut, was es heißt, wenn einem der Boden unter den Füßen wegbricht und das ganze Leben auf einmal keinen Sinn mehr macht.

Ich habe das Gefühl, dass Menschen in Deutschland zu fixiert sind auf die Zukunft und nur darauf hinleben, in der Zukunft mal ein schönes Leben zu haben. Sie arbeiten das ganze Jahr wie verrückt, nur um eimal im Jahr mal eine Pause einzulegen und in den Urlaub zu fahren. Aber ist dies ein Leben das ich führen möchte? N E I N!!!!

Aber es ist hart eine Entscheidung zu treffen, die gegensätzlich ist zu dem Leben, das die meisten Menschen in dem persönlichen Umfeld leben. Wenn alle studieren, dann fühlt man sich unter Druck gesetzt, selber ein Studium zu beginnen. Keiner sagt einem, dass es ok ist auch mal ein paar Monate lang nichts zu tun.

Aber ich denke, dass jeder von mal eine Auszeit braucht von dem gängigen Alltag. Wir verbringen das ganze Leben damit, jeden Tag zur Schule zu gehen, später eine Ausbildung zu machen oder zu studieren und im Anschluss dann jeden Tag zur Arbeit zu gehen. Wir haben nie die Chance für einen längeren Zeitraum hinweg mal das zu tun, was wir wirklich wollen. Die Zeit mit den Dingen zu füllen, die uns am meisten Spaß machen.

Deshalb will ich der Welt an dieser Stelle mal mitteilen, dass ich mich nicht dafür schäme, im Moment einfach mal N I C H T S zu tun 🙂 Wieso soll ich warten bis ich in Rente bin, damit ich Zeit habe für die Dinge die mir Spaß machen? Ich will mein Leben H E U T E leben.

Meine Eltern haben mich zum Glück nicht aus dem Haus geschmissen und mit kleinen Jobs hier und da, kann man sich ganz gut über Wasser halten. Viel Geld hat noch niemanden glücklich gemacht und im Moment bin ich sehr zufrieden mit dem was ich habe.

Auch in der Zeit die man zu Hause verbringt, kann man sehr viel lernen. Man lernt seine Familie besser kennen, hat Zeit für Gespräche mit Eltern und Geschwistern und man hat einfach mal für eine Weile keinen Druck mehr. Keine Prüfungen, die zu schreiben sind und für die man lernen muss. Keine Abgabefristen, kein Wecker der dich morgens aus dem Bett holt.

Ich kann Freunde besuchen, habe Zeit für langes Bibellesen und Frühstücken am Morgen und gute Gespräche mit den Leuten um mich herum.

Eine Selbstfindungsphase ist vielleicht nicht für jeden etwas. Manche brauchen sie einfach nicht, weil sie sich gut kennen oder die Ausdauer haben, einfach weiterzumachen, auch wenn das Leben nicht so verläuft, wie sie es sich gewünscht hätten.

Aber wenn man sich gerade in einer befindet, dann ist es absolut kein Grund zur Panik. Viel mehr sollte man die Gelegenheit beim Schopf packen und die Dinge ausprobieren, die man schon immer mal machen wollte aber nie die Zeit dafür hatte.

Und letztendlich sollte man nicht vergessen, dass es bei Gott keine Zeit gibt. Er wird seinen Willen zur rechten Zeit offenbaren, nicht dann, wann wir es wollen. Er hat alles in seiner Hand und Er kennt uns am besten. Wir wollen immer alles sofort wissen, wollen Pläne machen, wollen unseren Terminkalender füllen können mit Terminen für das kommende Jahr. Aber was ist wenn wir einfach mal durchatmen, anstatt immer nur durch das Leben zu rennen?

Die Selbstfindungsphase ist ein Geschenk von Gott an uns. Sie ist eine wertvolle Zeit, in der wir uns selber und die Leute in unserer nächsten Umgebung besser kennenlernen dürfen und einfach mal auf Pause drücken können. Wir müssen nicht mehr täglich von A nach B rennen, sondern haben Zeit zum durchschnaufen und Bilanz ziehen. Was ist bisher gut gelaufen? Für was sollte ich mir vielleicht mehr Zeit nehmen? Welche Dinge kann ich besonders gut? Wo gehöre ich hin?

Einfach mal auf Pause drücken und jeden Tag bewusst erleben, das ist was ich gerade machen möchte und deshalb ist eine Selbstfindungsphase nicht nur was für Looser, sondern ein Geschenk von unserem himmlischen Vater, der ganz genau weiß was wir am meisten brauchen.

 

 

 

 

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