Vom Beten und Glauben

Sonntag war ein Unglückstag oder soll ich sagen Glück-im-Unglückstag?

Erstmal habe ich die Nacht über dem Eimer verbracht, weil ich mich ständig übergeben musste. Ich konnte nicht zum Gottesdienst gehen, auf den ich mich schon die ganze Zeit gefreut habe und habe das Abendmahl verpasst.

Nachmittags war ich dann auf einer Geburtstagsfeier, weil es mir schon viel besser ging. Ich habe mich aber immer noch nicht getraut etwas zu essen. Am Abend war ich dann eingeladen, bei einer Chorübstunde dabei zu sein und auszuhelfen. Es ist ein amerikanischer Chor, der diesen Sommer in Deutschland auf Tour gehen möchte und dafür haben sie deutsche Lieder eingeübt. Ich habe mir die Lieder angehört und gesagt, wenn etwas an der Aussprache verändert werden sollte.

Es war eigentlich alles super, mir ging es gesundheitlich viel besser und ich habe mich gefreut, dass ich es zur Übstunde geschafft habe. Eigentlich habe ich gedacht, dass ich aus gesundheitlichen Gründen zu Hause bleiben müsste.

Das Wetter hier ist einfach verrückt. An einem Tag Sonnenschein und eine Temperatur, dass man im T-shirt draußen rumlaufen könnte und am nächsten Tag 10 cm Schnee. Und das Wetter ist mir zum Verhängnis geworden.

Es hat am Morgen geschneit wie noch was. Wir mussten das Auto mit dem Besen freikehren. Mittags dann, hat es angefangen wie aus Kübeln zu schütten. Es hat abnormal stark geregnet. Dann ist es kälter geworden, so dass der ganze Regen zu Eis geworden ist und alle Straßen komplett vereist sind.

Am Abend musste ich das Auto zurück zu Leah bringen, weil sie es am Montag gebraucht hat und ich aber noch eine Nacht länger in Lititz geblieben bin.

Meine Freunde in Lititz haben die Gewohnheit, dass sie jedes Mal bevor sie das Haus verlassen, für Bewahrung beten. Das haben wir auch gemacht, bevor ich mich auf den Weg zu Leah gemacht habe.

Also fahre ich gemächlich die Straße entlang und bin extra vorsichtig. Auf einmal kommt eine Kurve und ich merke, dass ich trotz meiner langsamen Geschwindigkeit, viel zu schnell für das Eis und die Kurve bin. Kaum das ich es mich versehe, dreht es mein Auto komplett und ich schlittere nur knapp an einem Briefkasten vorbei. Ich haue zwei Eisenstangen und andere Gegenstände um und bleibe schließlich im Garten von einem Haus stehen.

Mir ist Gott sei Dank nichts passiert. Das Auto ist auch ganz geblieben, aber wie es in Amerika so üblich ist, haben die Leute sofort die Polizei geholt.

Ich bin ganz durcheinander und fange erstmal am ganzen Körper an zu zittern. Das Auto gehört mir nicht und ich habe keine Ahnung wo die Papiere dafür sind.

Dann kommt die Polizei und fragt mich aus. Zum Glück war ein Freund dabei, der alles mit der Polizei geklärt hat. Er ist direkt hinter mir gefahren und hat die ganze Sache in seine Hand genommen. Er hat die Papiere gefunden die ich brauchte, hat den Tathergang geschildert und hat mir die ganze Zeit Mut zugesprochen und gesagt, dass alles gut ist.

Nach ca. 20 min war alles vorbei. Die Polizei hat mir geholfen, wieder auf die Straße zu kommen und der Freund von mir hat seine Adresse dagelassen, damit die Leute ihn kontaktieren falls sie irgendeinen Schaden melden wollen.

Der Eigentümer von dem Grundstück hat gesagt, dass bis jetzt jeden Winter jemand seinen Postkasten umgefahren hat. Letzte Woche ist ein Truck in sein Haus reingefahren und der Fahrer hat das Auto da stehenlassen und ist geflüchtet. Später hat die Polizei herausgefunden, dass das Auto geklaut war.

Ich hatte also nochmal Glück, dass alles so glimpflich abgelaufen ist. Aber je länger ich darüber nachdenke, kommt mir der Gedanke, dass es wahrscheinlich kein Glück war. Gott hat seine Hand über mir gehalten und vielleicht ist die Gewohnheit zu beten bevor man das Haus verlässt gar nicht einfach nur „süß“ sondern etwas, dass ich mir auch zu eigen machen sollte.

Am Montag sind wir mit den Mädels nach Harrisburg, die Hauptstadt von Pennsylvania gefahren. Wir sind in der City rumgelaufen und haben eine Tour in dem „Capitol“ dem Regierungsgebäude gemacht. Abends waren wir in einem Longhorn Steakhouse essen und haben meinen Abschied „gefeiert“.

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Harrisburg Waterfront
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Another day, another coffee shop 🙂
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Harrisburg ist eigentlich voll schön und vor allem ruhig. Obwohl es eine Großstadt ist, war auf den Straßen gar nichts los und wir waren die meiste Zeit die einzigen Fußgänger weit und breit. 
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Das „Capitol“ ist ein sehenswertes Gebäude. Außer uns haben wir keine Besucher gesehen. Die meisten Leute dort waren Anzugsträger die in „wichtige“ Gespräche vertieft waren. 

 

Auf dem Weg von Harrisburg nach Hause, hat die Ölkontrollleuchte aufgeblinkt und es kam der Warnhinweis, dass 0% Öl im Motor ist. Die Fahrerin (aus Vereinfachungsgründen möchte ich sie hier einfach K. nennen) hat schon seit längerem gewusst, dass das Öl gewechselt werden muss, aber ihr Bruder hat es bis dato nicht gemacht, weil das Auto einen wohl komplizierten Zugang zum Motorbereich hat und es sehr teuer ist.

K. ist eine Person die sich sehr schnell Sorgen macht und auch in dieser Situation ist sie erstmal komplett ausgetickt und sofort stehen geblieben. Sie hat gehört, dass der Motor ernsthaft beschädigt werden kann, wenn man ohne Öl weiterfährt. Es wäre aber noch eine Stunde Fahrt bis nach Hause, also was tun?

Wir haben gebetet und K. versichert, dass wir nach Hause kommen werden. Das Auto läuft wie geschmiert und wir haben gebetet! Gott wird sich schon darum kümmern.

Aber K. wollte sich mit dieser Antwort nicht zufrieden geben. Sie war immer noch sehr aufgeregt und besorgt, und sagte zu uns, dass sie hofft, dass unser Glaube größer ist als ihrer. Dann hat sie die andere Mitfahrerin gefragt, ob sie googeln könnte, was passieren kann wenn kein Öl im Motor ist.  Wir haben gegoogelt und natürlich kamen da solche Sachen wie: Man muss sofort stehen bleiben und das Auto abschalten. Es kann den Motor in die Luft jagen und das Auto ist ein Totalschaden usw…

Diese Ergebnisse haben K. auf keinen Fall beruhigt sondern ihre Sorge größer gemacht. Sie hat eine Krankheit und kann Aufregung nicht vertragen. Sie tickt sofort aus, wenn sie etwas stresst.

„Wie kannst du beten und dir gleichzeitig Sorgen machen?“ Haben wir sie gefragt. „Diese zwei Dinge passen nicht zusammen. Entweder zu betest und legst alles in Gottes Hand und Er nimmt sich der Sache an O D E R du machst dir Sorgen. Aber Eines schließt das Andere aus.“

Unser Glaube hat sie etwas ermutigt und wir konnten sie dazu überreden einfach weiterzufahren. Wir sind auch gut zu Hause angekommen. Es ist nichts passiert, natürlich nicht! Wir wussten es die ganze Zeit aber K. hat am Ende der Fahrt gebetet und bei Gott um Vergebung gebeten für ihren Unglauben.

Jeder Tag ist voll mit solchen kleinen Geschichten. Gott ist allmächtig! Er ist allgegenwärtig! Er ist im Auto, wenn wir fahren; in unserem Haus, wenn wir schlafen. Er hält seine Hand über uns. Wenn Er für uns ist, wer soll gegen uns sein? Das ist mir wieder bewusst geworden.

Auch als ich am Sonntag die Kontrolle über mein Auto verloren habe und nichts tun konnte außer zuzuschauen wie es über alle möglichen Gegenstände fuhr und eine Stange nach der anderen mitnahm, da war ich ruhig. Ich wusste, dass Gott da ist. Mit mir im Auto. Ich wusste, dass Er es war der das Auto in letzter Sekunde nochmal gedreht hat, so das es nicht gegen den Briefkasten gefahren ist, denn dies hätte definitiv Schaden am Auto angerichtet.

Danke für eure Gebete ❤

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Zum Abschluss noch ein Selfie von uns. 

An dem Tag haben wir es auch endlich geschafft den Sonnenuntergang zu beobachten 😉

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Damit neigt sich auch mein letzter Tag hier in Amerika langsam dem Ende zu. Heute Abend werden wir noch ein paar Leute besuchen und danach muss ich anfangen meine Goodbyes zu sagen. 😦

Bis bald!

Franzi

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