Der Zeitplan Gottes

Folgender Text ist von einer lieben Freundin von mir, die so freundlich war und mir die Erlaubnis gab, ihre Geschichte mit euch zu teilen:

Beauty-for-Ashes

Siehe ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und bringe dich an den Ort, den ich bereitet habe…
2. Mose 23, 20

Nach vielen Gebeten und harten Tagen hatte der Herr mir endlich eine Ausbildungsstelle geschenkt. Kurz vor Weihnachten 2013 bekam ich die Zusage und war überglücklich.

Im Sommer hatte ich die Mittlere Reife erfolgreich absolviert. Da ich leider mangels eines Ausbildungsplatzes keine Lehre beginnen konnte, musste ich schweren Herzens weiter zur Schule gehen.
Die Zeit an der Schule wurde mir zur Qual. Ich fand kaum Anschluss und fühlte mich äußerst unwohl. Zudem kam ich als “ Quereinsteigerin “ an einem G8-Gymnasium mit dem Stoff schlecht zurecht.
Bereits in der ersten Schulwoche begann ich mich erneut für Ausbildungsplätze im kaufmännischen Bereich und im öffentlichen Dienst zu bewerben. Und nach langen Monaten des Wartens machte der Herr mir zu Weihnachten ein lang ersehntes Geschenk.

Meine Eltern hatten mir ans Herz gelegt die Schule nicht abzubrechen, bevor ich eine feste Zusage für eine Ausbildung hatte. Nun war es soweit… aber so einfach wie gedacht ging es nicht. Aufgrund der strengen gesetzlichen Regelungen bezüglich der Berufsausbildung von Minderjährigen durfte ich nicht einfach ohne Beschäftigung sein.

Also begann eine hektische Suche nach einer Stelle in einer sozialen Einrichtung, wo ich ein Soziales Jahr oder wenigstens ein paar soziale Monate ableisten konnte. Die erste Stelle wurde mir von der CARITAS angeboten. Aufgrund von Missverständnissen meinte ich bei meinem Schnuppertermin eine Behindertenwerkstatt vorzufinden. Als ich an dem ausgemachten Freitag jedoch dorthin kam, stellte sich ziemlich schnell heraus, dass ich mich geirrt hatte. In der Werkstatt arbeiteten ehemalige Patienten aus Psychatrien. Ich war heilfroh, als ich das Gelände verließ. Auf der anderen Seite kämpfte ich mit großer Enttäuschung und den Tränen.
Warum konnte es nicht so kommen wie ich es mir ausgemalt hatte? Wenn die Stelle mir zugesagt hätte, wäre ich befreit und könnte die Schule endlich verlassen.
Was sollte ich jetzt tun? Während des Jahres gab es kaum freie Stellen in sozialen Einrichtungen.

So tat ich in der darauffolgenden Woche an den ersten zwei Tagen etwas, dass ich noch nie getan hatte. Ich schwänzte die Schule und telefonierte stattdessen mit einigen Einrichtungen in unserer nächsten Umgebung. Die einen hatten keinen Bedarf, andere erlaubten mir nicht mit der Kleidung zu arbeiten, die ich für angemessen hielt … andere wiederum wollten mich erst Probe arbeiten lassen…
Alles ging mir viiiiiiiiiiiiiiiiiel zu langsam!!!
Verzweifelt legte ich den Telefonhörer auf und seufzte laut.
Meine Eltern hatten mir schon lange versucht klarzumachen, dass ich nichts überstürzen sollte.
Doch nun saß ich da…ungeduldig, erschöpft und planlos.
Da riet mir meine Mutter es doch bei der christlichen Schule zu probieren, die ich einige Jahre besucht hatte. Der Gedanke war mir zwar auch gekommen, ich hatte ihn jedoch bereits verworfen. Die einzige FSJ Stelle im Christlichen Kindergarten war bereits seit Schuljahresbeginn an eine ehemalige Mitschülerin vergeben.
Meine Mutter ermutigte mich es trotzdem zu versuchen. Das tat ich dann am Dienstagnachmittag.
Am Mittwochmorgen ging ich wieder in die Schule und verabschiedete mich schon bei der Sportlehrerin mit einem kleinen Geschenk. Ich wusste selber nicht warum ich es tat.
Von der Christlichen Schule hörte ich nichts. Irgendwie war ich aber ruhiger geworden.
Als ich am Freitag (genau eine Woche nach dem Schnuppertermin in der Werkstatt) heimkam, erwartete mich eine freudige Nachricht. Ich sollte dringend in der Christlichen Schule anrufen. Und schon als meine ehemalige Lehrerin, die Frau des Rektors, die ersten Worte sprach, fiel Stein um Stein vom Herzen. Bereits am Montag wurde ich erwartet. Voller Freude dankte ich meinem Herrn und war beschämt über meine Ungeduld.

Allerdings fragte ich mich eines: Wenn nicht Kindergarten – Was soll ich überhaupt dort tun?

Der Montag löste Rätsel der ganzen vorhergegangen Monate.
Ich saß im Lehrerzimmer und wartete, bis meine ehemalige Lehrerin, die nun eine Art Mentorenfunktion für mich hatte, mit mir reden konnte. Und was sie mir erzählte, trieb mir vor Rührung über Gottes Gnade Tränen in die Augen.
Kurze Zeit vorher hatten die Schüler Zuwachs von einer neuen Familie bekommen. Die älteste schulpflichtige Tochter konnte aufgrund ihrer Behinderung nicht mit ihren Altersgenossen mithalten. Nach dem neuen Inklusionsgedanken sollte sie aber trotzdem mit Kindern ihres Alters in einem Raum lernen. Gesondertes Material würde zumindest begrenzt gestellt werden.
Das gesamte Lehrerkollegium hatte auch für diese Frage intensiv gebetet. Die Familie war nicht in der Lage die Tochter selbst zu betreuen. Die Schule verfügte nicht über Personal, dass diese Aufgabe übernehmen konnte. Mitten in diesen schwierigen Fragen kam meine Bewerbung.

Ich musste nicht gefragt werden, ob ich wollte oder nicht. Gott hatte mir klar und deutlich gezeigt: Mein Kind – dies ist dein neuer Platz! Nicht die Werkstatt, das Altenheim, nein – genau hier möchte ich dich haben. Dieser Platz ist für dich bereitet, hierhin habe ich dich geführt.

Die darauffolgende Zeit, in der ich das um 2 Jahre jüngere Mädchen betreute und andere kleinen Tätigkeiten an der Schule verrichtete war eine wahre Segenszeit.

Anfangs war es schwer für mich gewesen zu akzeptieren, dass mein Plan, direkt nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zu beginnen, nicht aufging.

Aber es war der Weg gewesen den Gott für mich bereitet hatte. Obwohl die Zeit an dem Gymnasium nicht die glücklichste meines Lebens war, war sie doch ein Segen. Ich durfte meinen Herrn besonders im Religionsunterricht offen bekennen und mich um einsame Mitschüler kümmern. Zwar erntete ich für manches Spott und Verachtung, aber mein himmlischer Vater stärkte meinen Glauben.
Ich bin von Herzen dankbar für diesen Umweg und die gesammelten Erfahrungen. So konnte ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein!

Übrigens, zeitlich hatte ich auch nichts verloren. Da meine Ausbildung nur 2 Jahre dauerte, war ich genauso schnell fertig wie diejenigen, die direkt nach der Mittleren Reife eine übliche dreijährige Lehre machten.

Der Herr hatte mir gezeigt: Vertraue mir, sei geduldig, ich werde dich ans rechte Zeil bringen!

Ich kann mir gut vorstellen, dass du lieber Leser, mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hast. “ Diese Zeit in meinem Leben gibt einfach keinen Sinn!“ “ Ich kann nicht mehr !“ “ Ich sehe keinen Ausweg aus meiner Situation!“

Der Herr hat auch für dich einen ganz besonderen Weg bereitet. Nicht nur dass – er hat auch einen speziellen Zeitplan für dich. Er kennt auch die Menschen, die du nötig hast und die dich brauchen. Und weil ER eben alles kennt, verknüpft ER die einzelnen Wege zum richtigen Zeitpunkt… nie zu früh und nie zu spät… damit kein Durcheinander entsteht.

Vertraue dem Zeitplan Gottes!

Hebt zur Höhe eure Augen empor und seht: Wer hat diese da geschaffen? Er, der ihr Heer hervortreten lässt nach der Zahl, ruft sie alle mit Namen: Vor ihm, reich an Macht und stark an Kraft, fehlt kein Einziger. Warum sagst du, Jakob, und sprichst du, Israel: Mein Weg ist verborgen vor dem HERRN, und meine Gott entgeht mein Recht? Hast du es nicht erkannt, oder hast du es nicht gehört? Ein ewiger Gott ist der HERR, der Schöpfer der Enden der Erde. Er ermüdet nicht und ermattet nicht, unergründlich ist seine Einsicht. Jesaja 40, 26-28

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